GR5 - Unterwegs in den Vogesen
- 11. Jan.
- 11 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Juni
Teil 1: von Schirmeck nach Ribeauvillé
Nach Monaten wandern wir wieder los
In Schirmeck sind wir losgelaufen, direkt am Tag nach meiner Abgabe. Monatelang hatte ich für die Thesis am Schreibtisch gesessen. Mein Rücken schmerzte noch und meine Füße waren lange Strecken nicht mehr gewohnt. Körperlich war ich aus der Übung, innerlich aber schon längst unterwegs. Die Vorbereitung verlief allerdings anders als geplant. Kurz vor der Tour hatte ich meine Wanderschuhe vom Schuster weiten lassen. Später stellte sich heraus, dass sie danach nicht mehr wasserdicht waren. Aus Sorge vor der Kälte hatte ich außerdem deutlich zu viel eingepackt: eine Leggings zu viel, ein Oberteil zu viel und dazu meine Therm-a-Rest-Sommermatte, bei der ich mir nicht sicher war, ob sie für Oktober ausreichen würde. Diese Unsicherheit begleitete mich bis nach Straßburg. Dort kaufte ich spontan noch die gelbe Vier-Jahreszeiten-Matte von Therm-a-Rest und schickte einen Teil meiner Ausrüstung zurück nach Stuttgart. Erst danach hatte ich das Gefühl, wirklich losgehen zu können.
Die Vogesen in der weichen Herbstsonne
Von Schirmeck aus wollten wir zur Haute Loge aufsteigen, dem kleinen steinernen Häuschen oben auf dem Kamm. Den Donon ließen wir aus. Wir kannten ihn bereits von einer früheren Tour und wollten die Zeit lieber für die Strecke nutzen, die noch vor uns lag. Das Wetter zeigte sich von seiner freundlichen Seite. Der Weg zog sich ruhig und gleichmäßig bergauf. Mit jedem Höhenmeter spürte ich, wie die Anspannung der vergangenen Monate etwas mehr von mir abfiel. Die Abgabe lag hinter mir und zum ersten Mal seit langer Zeit musste ich an nichts mehr denken. Oben trafen wir zwei Niederländer, die ein wenig neidisch waren, als sie hörten, dass wir noch zwei Wochen Zeit vor uns hatten. Von der Höhe aus lag die Landschaft weit und still vor uns. Die Vogesen zeigten sich in weichem Herbstlicht, die Wälder leuchteten in warmen Farben und über den Höhen lag diese besondere Ruhe, die man oft nur im Herbst findet.
Alles war feucht. Am Morgen war der Schlafsack klamm und das Gras vom Tau durchtränkt. Trotzdem schlief ich tief und fest. Der Körper nahm sich einfach, was er brauchte.

Eine lange Etappe zum Odilienberg
Am nächsten Tag lag eine lange Etappe vor uns. Unser Ziel war der Odilienberg, wo ich ein Zimmer gebucht hatte. Nach den ersten Tagen draußen freute ich mich auf eine warme Dusche, ein gutes Essen und einen Ort, an dem wir einfach einmal ankommen konnten. Davor wollten wir jedoch noch einmal draußen übernachten. Wo genau, wussten wir noch nicht. Von der Haute Loge ging es zunächst steil hinab Richtung Rothau, bevor der Weg wieder mehrere hundert Höhenmeter hinaufführte. Es war eine lange Etappe. Wir mussten uns erst wieder einlaufen, mussten unseren Rhythmus finden. Das Gehen war noch nicht selbstverständlich geworden. Unterwegs kamen wir an einer Auberge vorbei und spielten kurz mit dem Gedanken, nach einem Zimmer zu fragen. Das Wetter war ungemütlich, und die ständige Suche nach Wasser und einem geeigneten Platz für die Nacht kostete Kraft. Die Auberge war zwar geschlossen, doch man gab uns drei Liter Wasser. Wenigstens diese Sorge war für den Moment gelöst. Als es langsam zu dämmern begann, führte der Weg über eine offene Heide. Es war einer dieser Orte, an denen man gerne geblieben wäre, an denen man aber nicht übernachten darf. Also gingen wir weiter, bis wir wieder den Wald erreichten. Dann setzte der Regen ein. Die Bedingungen waren alles andere als ideal. Der Hang war steil, der Boden feucht und die Dunkelheit rückte näher. Schließlich fanden wir eine halbwegs ebene Stelle zwischen den Bäumen und bauten das Zelt auf. Meinen Poncho spannten wir zusätzlich als kleinen Unterstand auf, damit wir darunter sitzen und kochen konnten. In diesem Moment fühlte sich das nach einer ziemlich guten Lösung an.
Übernachtung im feuchten Wald - auf der Nordseite. Noch sitze ich gemütlich unter dem Tarp-Poncho
Der Regen hört nicht auf
Am Morgen kam die Ernüchterung. Der Regen hatte die ganze Nacht angehalten und setzte sofort wieder ein. Wir lagen auf der Nordseite eines Hanges, etwas, das wir erst auf dieser Tour wirklich zu verstehen lernten. Nordseiten sind feuchter, kälter und oft halten sich dort die Wolken deutlich länger als auf den sonnigen Hängen gegenüber. Als ich den Poncho anzog, hing er schwer und klatschnass an mir herunter. Das Wasser hatte sich in jeder Falte gesammelt. In diesem Moment wurde mir klar, dass es keine besonders gute Idee gewesen war, ihn am Vorabend als Kochunterstand zu benutzen. Der Regen fiel ununterbrochen. Der Rucksack saß unangenehm auf meinem Rücken und wir waren noch nicht lange unterwegs. Dann bemerkte ich, dass sich meine Schuhe langsam mit Wasser füllten. Bei jedem Schritt war dieses leise Schmatzen zu hören.
Ich fragte meinen Freund, ob seine Schuhe ebenfalls nass seien. Er schüttelte den Kopf. Da wurde mir langsam klar, was passiert sein musste. Vermutlich hatte das Weiten beim Schuster die Membran beschädigt. Wir waren gerade erst losgelaufen und bis zum Odilienberg lagen noch viele Kilometer vor uns. Für einen Moment fühlte sich das alles einfach zu viel an.

Schritt für Schritt durch den Nebel
Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Wir mussten weitergehen. Nach dem Wald erreichten wir das Champ du Feu. Bei schönem Wetter soll man von hier weit über die Vogesen blicken können. An diesem Tag war davon wenig zu sehen. Nebel und Nieselregen hatten die Landschaft verschluckt. Die Heide lag grau und still vor uns. Solche Tage gehören für mich trotzdem zum Trekking dazu. Irgendwann hört man auf, ständig auf das Wetter zu schauen oder die verbleibenden Kilometer zu zählen. Man geht einfach weiter. Schritt für Schritt. Und vertraut darauf, dass sich der Weg irgendwann wieder fügt. Das Wasser schmatzte noch immer in meinen Schuhen. Dann hatte mein Freund eine einfache Idee. Trockene Socken und Mülltüten um die Füße. Nicht elegant, aber erstaunlich wirkungsvoll. Mit Hilfe von Komoot suchten wir die nächste Hütte. Normalerweise orientieren wir uns mit Karte, doch inzwischen war alles feucht geworden. Als wir die Hütte erreichten, zog ich trockene Socken an und kochte mir eine Tasse Suppe auf dem Gaskocher. Die Wärme tat gut. Für einen Moment war alles andere unwichtig. Nach einer kurzen Pause gingen wir weiter. Aus dem Regen war inzwischen Niesel geworden und obwohl die Schuhe noch immer nass waren, fühlte sich die Situation plötzlich deutlich weniger dramatisch an. Kurz vor dem letzten Anstieg zum Odilienberg erwischte uns noch einmal ein kräftiger Regenschauer. Doch inzwischen wussten wir: es ist nicht mehr weit.
Ein besonderer Ort - der Odilienberg
Der Odilienberg gilt seit Jahrhunderten als ein besonderer Ort. Schon die Kelten sollen den Berg als heilig betrachtet haben. Noch heute zieht sich die gewaltige Heidenmauer um das Plateau. Später gründete die heilige Odilia hier ihr Kloster und der Quelle unterhalb des Berges werden bis heute heilende Kräfte zugeschrieben. Ich hatte viel über diesen Ort gelesen und wollte ihn endlich selbst erleben. Als wir oben ankamen, tropfte das Wasser von unseren Jacken und Hosen. In der Hotelhalle bildeten sich kleine Pfützen um unsere Füße. Für einen kurzen Moment hatten wir Sorge, man könnte uns gleich wieder hinausbitten. Doch stattdessen wurden wir freundlich empfangen. Wir verbrachten zwei Tage dort, ruhten uns aus, ließen es uns gutgehen und blickten über die Landschaft. Wir hörten Geschichten über den Berg, liefen über das Plateau und genossen es, einmal nicht weitergehen zu müssen. Je länger wir dort waren, desto besser konnte ich verstehen, warum Menschen diesen Ort über Jahrhunderte als etwas Besonderes empfunden haben. Es war nicht nur die Geschichte. Es war auch die Atmosphäre dieses Berges, die Ruhe und die Weite, die ihn von vielen anderen Orten unterscheidet.

Weitergehen mit dem, was man hat
Nach zwei Tagen auf dem Odilienberg stellte sich die Frage nach den Schuhen erneut. Ich recherchierte nach einem Outdoorladen, suchte nach Möglichkeiten, neue Schuhe zu kaufen, doch ohne Auto war das schwierig. Die Tour abbrechen kam für uns trotzdem nicht infrage. Also blieb es bei der improvisierten Lösung mit trockenen Socken und Mülltüten. Nicht besonders elegant, aber sie funktionierte erstaunlich gut. Manchmal muss man unterwegs einfach mit dem weitergehen, was gerade möglich ist. Kaum waren wir wieder auf dem Weg, änderte sich das Wetter erneut. Ein starker Sturm zog über die Vogesen. Die Bäume bewegten sich sichtbar im Wind und immer wieder hörten wir Äste knacken. Für die Nacht hatten wir mehrere Hütten auf der Karte markiert. Doch keine davon erwies sich als brauchbar. Manche waren verschlossen, bei anderen waren Tische und Bänke fest verschraubt, sodass wir dort nicht hätten schlafen können. Mit jedem Kilometer wurde die Suche dringlicher. Schließlich entdeckten wir auf einem großen Waldparkplatz einen neu errichteten Holzverschlag. Es war kein besonders schöner Ort, aber genau das, was wir an diesem Abend brauchten. Während draußen der Wind durch die Bäume fuhr, suchten wir darunter Schutz. Eicheln prasselten auf das Dach, irgendwo krachte ein Ast und die Kronen der Bäume schwankten im Sturm. Zum ersten Mal an diesem Tag mussten wir nicht mehr überlegen, wo wir die Nacht verbringen würden. Wir waren trocken. Und manchmal reicht genau das.

In eine Holzverschlag nahe einem Wanderparkplatz suchen wir Schutz vor dem Unwetter
Das Taennchel – ein stiller Kamm
Nach dem Odilienberg führte uns der Weg über das Taennchel, einen schmalen Höhenzug, der sich auf ganz eigene Weise von den übrigen Vogesen unterscheidet. Es ist kein Ort, der sich sofort erschließt. Der Weg zieht sich ruhig über den Kamm. Links und rechts fällt das Gelände ab, immer wieder tauchen Felsen zwischen den Bäumen auf und die Heidenmauer begleitet einen über lange Strecken. Als Nebel aufzog und sich zwischen die Felsen legte, bekam die Landschaft etwas Zeitloses. Die Geräusche wurden gedämpft und die Sicht begrenzte sich auf das, was unmittelbar vor uns lag. Wir kamen an seltsamen Felsformationen vorbei. An manchen Stellen lagen Blumen, kleine Gaben und sogar ein Fisch. Dinge, die dort bewusst abgelegt worden waren. Auch später konnten wir nicht herausfinden, was es damit auf sich hatte. Aber vielleicht musste man das auch gar nicht. Manche Orte erzählen ihre Geschichte nicht direkt. Man bewegt sich durch sie hindurch, nimmt Stimmungen wahr und geht weiter, ohne alles erklären zu können. Genau so habe ich das Taennchel erlebt. Es war einer dieser Orte, die einem lange im Gedächtnis bleiben, obwohl man hinterher nur schwer beschreiben kann, warum.
Der verwunschene Taennchel - mit Felsformationen und schönen Aussichten
Über die Burgen hinab ins Tal - nach Ribeauvillé
Vom Taennchel stiegen wir langsam ins Tal ab. Der Weg führte vorbei an den drei Burgen Saint-Ulrich, Girsberg und Haut-Ribeaupierre, die hoch über den Weinbergen am Hang liegen. Jede von ihnen ist auf ihre eigene Weise präsent und doch wirken sie, als gehörten sie ganz selbstverständlich zu dieser Landschaft. Der Abstieg war eindrücklich. Geschichte lag hier nicht in Museen oder hinter Informationstafeln, sondern offen im Gelände. Die Burgen wirkten nicht wie Sehenswürdigkeiten, sondern wie ein Teil der Umgebung, als wären sie mit den Felsen und Wäldern verwachsen. Mit jedem Höhenmeter veränderte sich die Landschaft. Die Wälder blieben hinter uns zurück, das Tal wurde weiter und heller, und nach und nach tauchten die ersten Weinberge auf. Schließlich erreichten wir Ribeauvillé. Nach Tagen auf Höhenzügen, in Wäldern und zwischen Nebel und Regen fühlte sich das kleine Städtchen beinahe ungewohnt an. Menschen saßen vor Cafés, in den Gassen war Leben und aus den Restaurants drangen Essensgerüche auf die Straße. Wir hatten das Tal erreicht und gleichzeitig einen kleinen Einschnitt in unserer Tour. Für zwei Tage blieben wir in Ribeauvillé.
Von Ribeauvillé in die Höhen – bis nach Munster
Nach den vergangenen Tagen tat es gut, anzukommen. Wir ließen uns Zeit, schlenderten durch die Gassen, aßen elsässische Spezialitäten und genossen es, einmal nicht ständig auf Wetterkarten, Wasserstellen oder mögliche Übernachtungsplätze achten zu müssen. Während die Burgen über der Stadt wachten, verbrachten wir die Tage zwischen Fachwerkhäusern, kleinen Geschäften und Restaurants. Die Ruhe der Berge lag noch in uns, aber langsam öffnete sich der Blick wieder für die Welt des Tals. Es war eine Pause, die genau zum richtigen Zeitpunkt kam.
Wir genießen die schöne Aussicht auf der Burg Bilstein - auf Pfaden vorbei an tollen Felsen geht es weiter.
Nach zwei Ruhetagen brachen wir wieder auf. Schon kurz hinter Ribeauvillé begann der Weg erneut anzusteigen. Das Wetter zeigte sich wechselhaft. Regen und Wind begleiteten uns, während wir auf schmalen Waldpfaden langsam an Höhe gewannen.
Von der Burg Bilstein bei Aubure bot sich uns eine weite Aussicht über die Vogesen. Der Wind war hier so kräftig, dass unsere Mittagspause entsprechend kurz ausfiel.
Danach führte der Weg über stille Pfade durch den Wald. Alte Buntsandsteinfelsen standen zwischen den Bäumen, mit Moos überzogen und vom Wetter gezeichnet. In Aubure füllten wir unsere Wasservorräte auf. Vor uns lag der Anstieg zum Champ du Diable. Der Pfad zog sich steil den Hang hinauf und führte an einer großen Marienstatue vorbei, die über die Landschaft zu wachen schien. Am Abend fanden wir einen Platz mitten im Wald. Feiner Nieselregen hing zwischen den Bäumen und als es dunkel wurde, schimmerte der Mond silbern durch die Fichten. Es war einer dieser stillen Abende, an denen man lange wach liegt und einfach nur in die Dunkelheit schaut.

Still liegt der Wald und der Mond scheint silbern durch die Fichten.
Durch eine Landschaft voller Geschichte
Am nächsten Tag folgten wir einem Höhenkamm in Richtung Le Bonhomme. Der Weg führte vorbei an leuchtenden Fliegenpilzen und grasenden Hochlandrindern. Immer wieder öffneten sich Ausblicke zwischen den Bäumen, bevor der Wald uns wieder aufnahm. Von Le Bonhomme stiegen wir weiter hinauf zur Tête des Faux, dem Buchenkopf. Unterwegs kamen wir an einem alten deutschen Soldatenfriedhof vorbei. Die Gräber waren längst offiziell umgebettet worden, doch der Ort erinnerte noch immer an die Kämpfe, die hier vor über hundert Jahren stattgefunden hatten. Während des Ersten Weltkriegs verlief die Front über viele Höhenzüge der Vogesen, und noch heute finden sich überall Spuren dieser Zeit. Je höher wir stiegen, desto häufiger begegneten wir ihnen. Zwischen Bäumen und Gestrüpp tauchten überwucherte Bunker auf. Eisenhaken ragten aus dem Boden und an manchen Stellen ließ sich noch erahnen, wie umkämpft diese Landschaft einst gewesen sein muss. Wir gingen durch den Wald und wurden dabei immer wieder daran erinnert, dass diese friedliche Landschaft einmal ein Kriegsschauplatz gewesen war. Gleichzeitig zeigte sich, wie konsequent sich die Natur solche Orte zurückholt. Wo einst Zerstörung herrschte, wächst heute wieder Wald. Moose bedecken Betonreste, Bäume wachsen über alte Gräben hinweg und vieles verschwindet langsam unter einer Schicht aus Laub und Vegetation. Die Geschichte machte uns still. Oben auf dem Buchenkopf machten wir eine Pause, bevor wir hinab nach Orbey stiegen. Dort kehrten wir in einer Auberge ein, die ich bereits von einer früheren Reise kannte. Nach den vergangenen Tagen fühlte sich die Wärme des Gastraums beinahe luxuriös an. Es gab Rösti-Burger, ein trockenes Bett und die Aussicht auf einen regenfreien Abend. Für den nächsten Tag war erneut schlechtes Wetter angekündigt. Also blieben wir zwei Nächte.
Ein verlassener deutscher Soldatenfriedhof erinnert an eine schreckliche Zeit in der Vergangenheit.
Vom Lac Blanc nach Munster
Die letzte Etappe führte uns vom Lac Blanc hinunter nach Munster. Oberhalb des Sees querten wir eine offene Heide. Nach Westen öffnete sich der Blick über die Vogesen, auf der anderen Seite lag der Lac Blanc unter einer dünnen Nebelschicht. Die Landschaft wirkte ruhig und weit, fast als wolle sie uns einen freundlichen Abschied bereiten.

Doch auch hier war die Geschichte nicht weit entfernt. Rund um den Lingekopf fanden während des Ersten Weltkriegs einige der schwersten Kämpfe in den Vogesen statt. Wieder begegneten wir Granattrichtern, Schützengräben und den Spuren eines Krieges, der sich tief in die Landschaft eingeschrieben hat. Es war nicht das erste Mal auf dieser Tour, dass Natur und Geschichte unmittelbar nebeneinanderstanden. Vielleicht ist es genau das, was die Vogesen für mich so besonders macht. Man wandert durch Wälder, über Heiden und entlang aussichtsreicher Höhenzüge. Gleichzeitig begegnet man immer wieder den Spuren der Menschen, die diese Landschaft geprägt haben.
Nach einem langen Abstieg erreichten wir schließlich Munster. Die Stadt empfing uns mit Straßenlärm, Geschäften und dem gewohnten Rhythmus des Alltags. Wir setzten uns in ein Café, tranken heiße Schokolade und aßen Kuchen. Plötzlich waren Dinge wieder selbstverständlich geworden, die unterwegs oft fehlen: trockene Füße, ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, einfach sitzen zu bleiben. Später saßen wir im Zug zurück nach Stuttgart und blickten noch einmal auf die vorbeiziehenden Vogesen.
Hinter uns lagen zwei Wochen voller Regen, Nebel, Höhenmeter und überraschender Begegnungen. Zwei Wochen, in denen wir durch Landschaften gegangen waren, die von Natur und Geschichte gleichermaßen geprägt sind. Und wie so oft nach einer langen Tour blieb das Gefühl, etwas mitzunehmen, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Vielleicht war es die Ruhe der Wälder. Vielleicht die langen Tage zu Fuß. Vielleicht die Erfahrung, dass man auch mit nassen Schuhen weitergehen kann. Wahrscheinlich war es von allem etwas.
Im Hintergrund kann man bereits Munster sehen.
Diese Tour beschreibt eine persönliche, selbst organisierte Erfahrung. Übernachtungen im Rahmen meiner Trekkingangebote erfolgen ausschließlich an genehmigten Plätzen und in Abstimmung mit den zuständigen Stellen.































