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Reiseberichte

Was bisher geschah

Eigentlich wollten wir in die Vogesen

  • 1. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Juni


Vier Tage unterwegs im Altmühltal zwischen Wacholderheiden, Tierspuren und unerwarteten Entdeckungen.


Eigentlich hatten wir für dieses verlängerte Wochenende eine Trekkingtour durch die Vogesen geplant. Die Route stand bereits fest und die Vorbereitungen waren weitgehend abgeschlossen. Doch je näher der Termin rückte, desto deutlicher wurde, dass die Eisheiligen andere Pläne hatten. Für die Vogesen waren Schnee, Wind, Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und zeitweise sogar Schneeregen angekündigt.

Ehrlich gesagt hatten wir alle wenig Lust, vier Tage lang bei diesen Bedingungen unterwegs zu sein. Also begann die Suche nach einer Alternative. Ich griff zu meinem großen Hikeline-Deutschland-Buch, in dem viele Fernwanderwege beschrieben sind. Mein Blick blieb am Altmühltal-Panoramaweg hängen. Weiter südlich, etwas geschützter und für mich eine Landschaft, die ich bisher nur aus Erzählungen kannte. Rückblickend war genau diese Entscheidung der Anfang einer Tour, die überraschend besonders und simpel war.


Eine Landschaft, die sich Zeit lässt


Der Beginn der Tour war ehrlich gesagt wenig spektakulär. Wir liefen über Asphaltwege, durch kleinere Orte und über Straßen. Die Sonne brannte überraschend stark und die Landschaft zeigte zunächst wenig von dem, weshalb das Altmühltal so bekannt ist. Doch mit jedem Kilometer veränderte sich etwas. Die ersten Wacholderheiden tauchten auf. Eine große Schafherde zog über die Hänge. Die Wege wurden schmaler und führten immer wieder oberhalb des Tals entlang. In Pappenheim machten wir Halt und besuchten die Burg. Den Namen kannte ich natürlich schon lange. „Ich kenne meine Pappenheimer“ hatte ich oft gehört. Dass es tatsächlich einen Ort dieses Namens gibt, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Hinter der Stadt wurde die Landschaft offener. Von den Hängen aus blickten wir immer wieder ins Tal hinunter. Es waren keine spektakulären Ausblicke, die einen sofort überwältigen. Eher eine Landschaft, die sich nach und nach zeigt und die man erst mit der Zeit kennenlernt.


Wir genießen den Blick in das Altmühltal
Wir genießen den Blick in das Altmühltal

Draußen schlafen


Für die erste Nacht suchten wir uns einen Platz oberhalb eines Weges am Hang. Während die Sonne langsam tiefer sank, kochten wir Brennnesseln mit etwas Knoblauch und richteten uns für die Nacht ein. Die Hektik des Alltags lag längst hinter uns. Wir schliefen beim Gesang der Singdrossel ein. Als wir am nächsten Morgen die Augen öffneten, begleiteten uns wieder der Zipzalp und die ersten Amseln. Es sind oft genau diese kleinen Momente, die mir von einer Tour besonders in Erinnerung bleiben.


Spuren


Am nächsten Morgen fanden wir im Wald den Schädel eines vermutlich jungen Wildschweins. Wenig später entdeckte ich die Federn eines kleinen Spechts. Später auf der Tour lag am Weg eine gerupfte Eule. So etwas hatten wir vorher noch nie gesehen.

Mir bleiben oft solche Spuren in Erinnerung. Die unsichtbaren Bewohner einer Landschaft werden plötzlich sichtbar. Nur ihre Spuren lassen erahnen, wer diese Wege nachts noch nutzt. Sie erzählen von Tieren, die man nie gesehen hat. Von Geschichten, die sich irgendwo im Wald abgespielt haben und von denen nur einzelne Hinweise übrig geblieben sind. Vielleicht gehört genau das zu dem, was mich am Unterwegssein draußen so fasziniert: Dass man sich für einige Tage als Teil einer Landschaft fühlt, statt sie nur von außen zu betrachten. Man taucht ein.


Immer wieder kamen wir an alten nicht genutzten Steinbrüchen vorbei.
Immer wieder kamen wir an alten nicht genutzten Steinbrüchen vorbei.

Überraschungen am Weg


Je weiter wir liefen, desto mehr Überraschungen hielt das Altmühltal bereit. Immer wieder tauchten die markanten Felsformationen zwischen den Hängen auf. Wir entdeckten die Zwölf Apostel, von denen ich vorher noch nie gehört hatte. Da war der Archäopteryx, dessen Geschichte eng mit der Region verbunden ist. Ich kannte ihn noch aus meiner früheren Begeisterung für Urgeschichte. Dass er genau hier gefunden wurde, war für mich eine schöne Entdeckung. Und wir wanderten an Steinbrüchen vorbei. An einem von ihnen entdeckten wir sogenannte Steinblumen, feine Eisen- und Manganbildungen, die sich wie Pflanzen auf dem Gestein kräuselten. Für einen Moment hielten wir sie sogar für Fossilien. Je länger wir unterwegs waren, desto mehr hatte ich das Gefühl, durch eine Landschaft zu gehen, die weit mehr Geschichten bereithält, als wir erwartet hatten.


Steinblumen aus Eisen- und Manganverbindungen
Steinblumen aus Eisen- und Manganverbindungen

Das richtige Tempo


Mehrtägige Touren erzählen nicht nur etwas über Landschaften. Sie erzählen auch etwas über die Menschen, die gemeinsam unterwegs sind. Zu Beginn der Tour war jeder von uns noch mit den Gedanken des Alltags beschäftigt. Das Loslassen fiel uns nicht leicht. Erst nach und nach wurde der Kopf ruhiger und die Aufmerksamkeit wanderte von den Dingen zuhause zurück auf den Weg. Das Loslassen braucht manchmal länger als die ersten Kilometer. Mit jedem Tag ließen wir den Alltag etwas mehr hinter uns. Irgendwann entstand zwischen uns ein Streit. Es ging um Geschwindigkeit, um Erwartungen und darum, wie wir unterwegs sein wollten. Nichts Dramatisches. Und doch genug, um die Stimmung für eine Weile zu verändern. Interessanterweise geschah danach etwas Unerwartetes. Es fühlte sich an wie nach einem Gewitter, wenn die Luft plötzlich klar wird. Von diesem Moment an fanden wir ein gemeinsames Tempo. Wir liefen ruhiger, entspannter und aufmerksamer weiter. Manchmal braucht es offenbar genau solche Momente, damit eine Gruppe ihren Rhythmus findet. Meine Erfahrung zeigt immer wieder, dass man beim Trekking oft erst ein paar Tage unterwegs sein muss, bevor man sich wirklich auf eine Tour einlassen kann.


Gemeinsame harmonische Mittagspause
Gemeinsame harmonische Mittagspause

Was bleibt


Wenn ich heute an diese Tage zurückdenke, denke ich nicht zuerst an Kilometer oder Etappen. Ich denke an die Schafherde auf den ersten Heiden. An die Singdrossel am Abend. An den Schädel im Wald und die verstreuten Federn einer Eule. An alte Linden mit ihren weit ausladenden Kronen. An die Steinblumen im Kalkstein. An einen Sonnenuntergang über dem Tal und an eine Landschaft, die sich erst nach und nach gezeigt hat. Eigentlich wollten wir in die Vogesen. Am Ende führte uns die Wettervorhersage ins Altmühltal. Und vielleicht war genau das das Beste, was uns auf dieser Tour passieren konnte.


Blick in das schöne Tal am letzten Abend unserer Tour.
Blick in das schöne Tal am letzten Abend unserer Tour.

Diese Tour beschreibt eine persönliche, selbstorganisierte Erfahrung. Übernachtungen im Rahmen meiner Trekkingangebote erfolgen ausschließlich an genehmigten Plätzen und in Abstimmung mit den zuständigen Stellen.

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